Mein Film We Are Visible, eine Dokumentation über Menschen in verschiedenen Ländern, die mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom leben, ist in der finalen Produktionsphase und eigentlich wäre es nun Zeit für einen Filmtrailer. 

Doch das Zusammenstellen des Trailers stellte sich als große Herausforderung heraus. 

Ständig fragte ich mich: Wie kann ich die Geschichten von sechs Familien in nur einem Trailer vereinen? Während ich versuchte dieses Problem zu lösen und allen Beteiligten den Platz einzuräumen, den sie verdienten, saß ich plötzlich vor drei Trailer-ähnlichen Videos. Es mag etwas unkonventionell sein, drei Trailer für einen Film zu haben. 

Doch der ganze Produktionsprozess erfüllt wohl nicht die Kriterien für ”konventionell.”

Ich schaute auf diesen Film nicht nur mit den Augen einer Journalistin. Viel mehr begutachtete ich ihn aus der Perspektive von jemandem, der Teil der Disability Community ist. Und meine Herangehensweise wich an vielen Stellen davon ab, was als ”gute journalistische Praxis” gilt. 

We Are Visible ist mehr als ein Film von einer Filmemacherin mit Behinderung über ein Thema rund um Behinderung. 

In meinem Film wollte ich aktiv alle Hauptbeteiligten am Prä- und Postproduktionszprozess teilhaben lassen. 

Warum?

Weil ich diese weitverbreitete journalistische Praxis, die besagt, man solle die Menschen deren Geschichten man erzählt nicht involvieren, verändern wollte. Ich bin der Meinung: Mir gehören diese Geschichten nicht. Ich habe lediglich das Privileg und die Erlaubnis sie zu teilen. 

”Nothing about us without us” – ”Nichts über uns ohne uns”

Das ist das Motto vieler Aktivisten, die sich für bessere Repräsentation von Menschen mit Behinderung in den Medien einsetzen. Ich stimme dem zu. Wir können die Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen nur verbessern, wenn wir aktiv die Menschen einbeziehen, über die wir sprechen. Obwohl ich als Journalistin mit Behinderung selbst zur Community gehöre, traue ich mir nicht zu für jeden Menschen mit Behinderung zu sprechen. Kein Journalist kann das. Und genau deshalb müssen wir unsere Haltung in Bezug auf die vielbreitenden journalistischen Regeln verändern, um Menschen mit Behinderung in den Medien akkurater zu repräsentieren.

”Lass niemals deine Story reviewen oder gar verändern”, 

hat man mir oft eingetrichtert. ”Kein Journalist macht das.” Diese Regel funktioniert aber nicht, wenn man über Menschen mit Behinderung berichtet. Ja, diese Regel gibt es seit Ewigkeiten. Und ja, vermutlich alle großen, erfolgreichen Medien wenden sie an und produzieren qualitativ hochwertige Nachrichten. Aber macht diese Praxis auch Sinn, wenn wir über Behinderung sprechen?

Ich frage mich, ob die Medienrepräsentation von Menschen mit Behinderungen sich verbessern würde, wenn man die journalistische Vorgehensweise verändert?

Wenn wir die Menschen, über die wir schreiben, aktiv in die Produktion einbinden, würden Aktivisten vielleicht nicht weiterhin die Medien für deren Fehlrepräsentation der Community kritisieren müssen.

Ich versuchte also etwas zu verändern und habe die Menschen, die ich interviewte, in meine Arbeit involviert. 

Wir werden sehen, ob diese journalistische Arbeitsweise zu der Veränderung führt, die ich mir für die Community wünsche, oder ob die vielen meiner Kollegen richtig liegen, wenn sie sagen, ich würde mir damit nur mehr Arbeit verursachen. Zumindest habe ich es versucht.

Und falls ihr immer noch interessiert seid an den unkonventionellen Trailern, die ich am Anfang dieses Beitrags erwähnt habe, 

dann schaut mal hier.

Lasst mich gerne wissen, welchen ihr am meisten mögt. Nachdem ich ohnehin die meisten Regeln breche, kann ich auch hier die Community ihren Favoriten aussuchen lassen! 

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